Warum die Wahrnehmung von Glück ohne Pech wohl nicht funktioniert.

Nanu?

Welche Mechanismen stecken denn hinter empfundenem Glück?

Untersuchungen zum Glücksempfinden bei Lottogewinnern kamen zu dem für viele sicherlich erstaunlich erscheinenden Ergebnis dass bereits 3 Monate nach einem Millionengewinn das Glücksempfinden eines Gewinners wieder das ursprüngliche Niveau vor dem Gewinn erreicht hatte.

Obwohl ein Millionengewinn von sehr vielen doch als das ultimative Glück angesehen wird.

Dieses „Das vorhandene Glück nicht mehr wahrnehmen“ findet wohl bei uns allen tagtäglich statt.

Einige Beispiele:

Als vor rund 100 Jahren Glühbirnen die Nacht zum Tage machen konnten, keine flackernden, rußenden Öllämpchen mehr notwendig waren um der Dunkelheit zu entkommen, da wurde diese neue Möglichkeit noch als beglückend empfunden.

Dass wir, ohne Kohlen zu schleppen und ohne Brennholz im Wald einsammeln zu müssen einfach am Thermostaten der Heizung drehen können, um nicht bitterlich frieren zu müssen – für breite Bevölkerungsschichten erst seit wenigen Jahrzehnten glückliche Realität.

Die Zeiten in denen Ernteausfälle dazu führten, das viele Menschen hungerten oder sogar verhungerten, ist in vielen Ländern durch verbesserte Landwirtschaft vorbei. Aber wie glücklich würden sich die Menschen in Dürregebieten fühlen, wenn sie selber endlich genügend zu Essen hätten?

Was wäre mit vielen von uns geschehen wenn es Medikamente wie zum Beispiel Penicillin oder Betäubungsmittel für OP`s nicht bereits seit wenigen Jahrzehnten gegeben hätte? Wären wir ohne diese Mittel heute noch am Leben?

Und dann gab es Zeiten in denen Pest und Cholera (Infektionswellen begannen um das Jahr 1350) viele Millionen Menschen dahinrafften. Heute zum Glück keine Bedrohung mehr….

Oder wenn Du nur 30 oder 40 Jahre früher geboren worden wärest… Hättest Du den Krieg überlebt?

Wenn wir uns solche und viele ähnliche Vorgänge einmal bewusst machen, können wir mit Recht feststellen, dass wir alleine mit dem Zeitraum unserer Geburt sehr sehr viel Glück gehabt hatten. Und immer noch haben.

Nur mit der Wahrnehmung des eigenen Glückes scheint es im Normalfall kräftig zu hapern.

Kann es vielleicht sogar sein dass wir Pech benötigen, um Glück als solches überhaupt noch wahrnehmen zu können?

Dass die Hoffnung nach Dauerglück einfach unerfüllbar ist und diese Erwartungshaltung damit nur in eine permanente Unzufriedenheit führt?

Weil glückliche Umstände in unserer Wahrnehmung des Glückes einem ständigen Erosionsprozess ausgesetzt sind, selbst wenn der ursprüngliche Glückszustand völlig unverändert bestehen bleibt.

Weil bei uns eine unbewusst und schleichend stattfindende Entwertung der glücklichen Umstände stattfindet.

Zumindest, wenn wir uns diesen Entwertungsmechanismus nicht immer und immer wieder bewusst machen.

Wie wäre es denn wenn wir uns Glück auch einmal aus völlig anderer Perspektive ansehen würden:

Glück – als die Abwesenheit von Leid.

Glück – die schönen Momente zwischen den Zeiten des nicht Glückes.

Glück – als Folge bewusst gemachter Dankbarkeit.


Dein „gedanklicher Baustein zum Glück“ könnte in etwa so lauten:

Ich nehme beglückende Umstände bewusst wahr, halte diese in meinen Gedanken und Erinnerungen wach. Akzeptiere, dass Glück aber niemals Dauerzustand sein wird. Ich werde den vorhandenen und auftretenden glücklichen Umständen immer wieder mit Dankbarkeit und Wertschätzung begegnen. Und werde Phasen der Unzufriedenheit als Triebfeder für anstehende Veränderungen zum positiven hin begreifen.