Das Dreieck der Liebesstile

Im Beitrag über die die sechs Formen der Liebe haben wir ja schon einen ersten Überblick über die Grundtypen von Liebesstilen aufgeführt. In einer Partnerschaft ist praktisch immer ein Gemenge verschiedener Liebesstile anzutreffen, jede Partnerschaft und jeder Partner hat einen eigenen Schwerpunkt bei der Gewichtung der einzelnen Liebesstile.

Um das daraus vorhandene Spannungsfeld zu verdeutlichen habe ich hier einmal ein Dreieck der Liebesstile (nach einer Theorie von Sternberg) aufgeführt:

Dreieck der Liebesstile in der Partnerschaft

Da ist einmal die freundschaftliche Liebe deren Schwerpunkt aus den gemeinsamen Interessen und Unternehmungen besteht. Eine Freundschaft zeichnet sich durch praktiziertes Wohlwollen und freien Austausch von Meinungen, Informationen und Sichtweisen aus. Ohne daraus eine verpflichtende oder exklusive Bindung anzustreben.

Und die leidenschaftliche Liebe, deren Schwerpunkt auf der erotischen Anziehung, Faszination, sexueller Vereinigung und Extase liegt, wobei die Verfolgung eines gemeinschaftlichen Projektes oder einer gemeinsamen Zukunft nicht angestrebt wird.

Die partnerschaftliche Liebe, deren Gewicht auf einem gemeinsamen Projekt wie Versorgung, Kinder, Hausbau, miteinander Alt werden und der Zuverlässigkeit sowie der exklusiven Bindung in der Beziehung, der gefestigten Gewohnheit und der Sorge um- und füreinander liegt.

Eine darauf aufgebaute Verbindung war für Jahrhunderte in breiten gesellschaftlichen Schichten als das „richtig“ akzeptierte und angesehene Partnerschaftsmodell.

Jetzt ist es im ersten Moment voll verständlich dass wir zu einer „perfekten Partnerschaft“ jeden dieser drei Liebesstile zu je 100 % integriert haben wollen. Und diese Vorstellung zur nicht hinterfragten Idealvorstellung geworden ist.

Und damit fängt das Elend auch schon an….

Warum?

Weil bei jedem dieser Liebesstile Voraussetzungen vorhanden sind die sich nicht mit den anderen Liebesstilen vertragen, nicht kompatibel sind:

Da ist die erotische Liebe die den Thrill, das Abenteuer, die Abwechslung, das unerwartete, neue und ungebundene sucht. Und die in der Verbindung zur partnerschaftlichen Liebe auf den Wunsch nach Vertrautheit, Gewohnheit, Verlässlichkeit und Zukunftsperspektive stößt.

Ein solches „Anforderungsdilemma“ ist im Endefekt nicht lösbar. Auch wenn manche Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge, Paarberater oder Youtube-Tutorials so tun als ob dieses doch möglich wäre.

Dabei liegt der entscheidende, für einen selber wirklich hilfreiche Schritt darin diese Unvereinbarkeit zu erkennen. Und beispielsweise zu akzeptieren dass aus einer in der Anfangsphase vorhandenen starken erotischen Spannung im Laufe der Jahre eine Vertrautheit und das Gefühl von Geborgenheit erwachsen ist, die die erotische Spannung reduziert.

Wenn wir uns die Kombination von erotischer Liebe und freundschaftlicher Liebe ansehen, stoßen wir ebenfalls auf Unvereinbarkeiten. Auf der einen Seite da der Ego-zentrierte Wunsch des erotisch liebenden eigene Wünsche unzusetzen. Gelegentlich auch auf Kosten Anderer. Und dem Wunsch des freundschaftlich liebenden gemeinsame, nicht-erotische Interessen zu verfolgen.

Dass dieses in der Kombination der Liebesstile nicht ohne Reibung funktionieren wird, liegt auf der Hand.

Und bei der Beziehung von partnerschaftlich liebenden zu freundschaftlich liebenden ergeben sich wiederrum Unvereinbarkeiten: So hat der freundschaftlich liebende in einer solchen Beziehungskonstellation keinen Aussicht auf zeitliche oder materielle Zuwendungen und der partnerschaftlich liebende keine Aussicht auf eine vereinbarte Zukunftsperspektive und Beziehungsexklusivität.

All diesen Partnerschaftskonstellationen ist eines gemein: Je mehr sich die Gewichtung innerhalb einer Liebesbeziehung in eine bestimmte Richtung des Liebesstiles verändert, um so mehr fällt von den anderen Stilen auf dem Tableau der Möglichkeiten herunter.

Wenn man diese Wirkungsweise für sich wirklich verstanden hat, dann kann man wesentlich gelassener auf sich, den Partner und die Partnerschaft blicken. Dann kann der erste Impuls den Partner kritisieren zu wollen, ihn für die „Fehler“ verantwortlich zu machen einer Gelassenheit und wertschätzenden Akzeptanz weichen. Mit der Einstellung „es-gut-sein-lassen-zu-können“ einen Zustand zu erreichen, in dem „es gut ist“.

Wie die Zeit vergeht