Die sechs Formen der Liebe

Die Liebe – im ersten Moment ein einfach erscheinender Begriff.

Bei dem wohl fast jeder davon ausgeht dass seine eigene Deutungen und damit verbundene Hoffnung und Erwartungshaltungen fast universell auch von anderen als Idealvorstellung angesehen werden.

Mit dieser Annahme können wir jedoch gewaltig danebenliegen…

Haende Partnerschaft Liebe

Da andere einen sich von uns deutlich unterscheidenden Blick auf den Liebesbegriff haben können, stellen wir hier zunächst einmal verschiedene Liebesstile vor.

Es ist hilfreich zu verstehen dass andere Menschen auch ganz anders ticken können Und dabei oftmals auch völlig andere Prioritäten in ihrem Liebesleben setzen, wertschätzen und erwarten.

Und die daraus resultierenden unterschiedlichen Wertvorstellungen zu teils sehr unterschiedlichen Formen des miteinander umgehens führen. Dass hier von nur sechs Liebesstilen berichtet wird, obwohl es tausende Mischformen und Ausprägungen davon gibt, soll helfen einen klaren Blick auf grundlegende Eigenschaften zu ermöglichen.


Die sechs Formen der Liebe

Romantische Liebe:

Diese Liebe entsteht durch die Faszination auf dem ersten Blick und der erotischen Anziehung, wobei die Person vom Aussehen her der Idealvorstellung eines Partners bereits sehr nahe kommt. Einen hohen Stellenwert in einer romantischen Liebe hat die sexuelle Begegnung. Denn erst mit dieser „zweiten“ Begegnung stellt sich heraus, ob die anfängliche Faszination sich verfestigt und somit eine Liebesbeziehung mit dieser Person entstehen kann. Der romantisch Liebende sucht die emotionale Verschmelzung mit dem Partner und bemüht sich daher diesen von Anfang an intensiv kennenzulernen. Genauso wird der Liebende seine Gefühle verbal oder durch Gesten der geliebten Person gegenüber zum Ausdruck bringen. Zwischen den Liebenden entsteht eine tiefe Intimität in der man auch alles miteinander teilen möchte. Der romantisch Liebende ist weder besitzergreifend noch eifersüchtig. Ein solcher Partner ist selbstbewusst und eigenständig und gerät – trotz dieser intensiven Verschmelzung auf emotionaler und erotischer Ebene – nicht in eine Abhängigkeit.


Freundschaftliche Liebe:

Eine freundschaftliche Liebe entwickelt sich auf der Basis einer bereits länger existierten engen Freundschaft. Der Übergang von Freundschaft zu einer Liebesbeziehung zwischen den Personen ist eher fließend. Äußerlichkeiten spielen bei der Person keine Rolle. Gleiche Interessen, Hobbys aber auch der gleiche soziale Hintergrund sind oft Grundlagen für eine freundschaftliche Liebe. Die sexuelle Begegnung ist bei der Entstehung einer solchen Liebe nicht maßgebend. Sexualität in solchen Beziehungen gewinnt zwar an Bedeutung wird aber nie das zentrale Thema in einer freundschaftlichen Liebe sein. Wichtig sind gemeinsame Unternehmungen und ähnliche Interessen. Der Liebende redet mit dem Geliebten lieber über gemeinsame Interessen als über seine Gefühle.


Pragmatische Liebe:

Ausgangspunkt bei diesem Liebesstil ist die Zielvorstellung einen passenden Partner zu finden, um mit dieser Person seine materiellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei spielen körperliche Idealbilder keine Rolle. Wichtig ist bei der pragmatischen Liebe, dass der Partner kompatibel zu den eigenen Wünschen in einer Partnerschaft ist. Der Liebende strebt in solch einer Beziehung die Bedürfnisbefriedigung an wie z. B. um die eigene Einsamkeit zu überwinden, Kinder zu bekommen, aber auch um sich z. B. eine größere Wohnung leisten zu können. In der pragmatischen Liebe spielen auch die praktischen und alltäglichen Qualitäten der Person eine wichtige Rolle. Auch Einkommen, sozialer Status, usw. werden vom Liebenden als bedeutend betrachtet. Pragmatisch Liebende halten nichts von starken Gefühlsausbrüchen, speziell eifersüchtige Szenen.


Besitzergreifende Liebe:

In der besitzergreifenden Liebe wird bei der Suche nach einem idealen Partner auf gegensätzlichen Eigenschaften geachtet. Der besitzergreifende Liebende strebt nach der kompletten Aufmerksamkeit des Partners, klammert und lässt dem Partner wenig Freiraum. Er hat das starke Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden. Der Liebende blüht in der Partnerschaft auf, wenn sich der Partner auf ihn konzentriert und immer verfügbar ist. Der Liebende ist extrem eifersüchtig und setzt dem Partner emotional unter Druck in dem er ständige Liebesbekundungen einfordert. Erhält der Liebende nicht genug Rückversicherung, dass er geliebt wird ist dies für ihn ein emotionaler Tiefschlag. Der Liebende hat Angst vor einer Trennung und würde von sich aus die Beziehung nie selber beenden, auch dann nicht wenn er den Partner nicht mehr anziehend findet.


Altruistische Liebe:

Die altruistische Liebe steht im totalen Gegensatz zur besitzergreifenden Liebe. Der altruistisch Liebende ist dann glücklich, wenn auch der Partner glücklich ist. Um dies zu erreichen konzentriert sich der Liebende auf die Bedürfnisse des Partners und schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Der altruistische Liebende ist selbstlos und benötigt für sein Liebesglück noch nicht einmal eine entsprechende Gegenliebe. Die Möglichkeit eine Person zu umsorgen, ihr in jeder Situation beizustehen und der Person Liebe zu geben ist für den Liebenden in der Beziehung das höchste Gut. Er stellt keinerlei Forderungen und ist auch nicht besitzergreifend.


Spielerische Liebe:

Bei der spielerischen Liebe hat der Liebende kein Bedürfnis auf eine feste Beziehung. Der Liebende hat oft mehrere Partnerschaften gleichzeitig, was er auch meistens nicht verheimlicht. Er hat kein Idealbild von einem Partner, da er die Vielfalt mag. Die Kunst der Verführung und Eroberung einer Person macht bei dem Liebenden den Reiz in der spielerischen Liebe aus. Das sinnliche Spiel mit einem Partner und die sexuelle Freiheit sind für den Liebenden wichtig. Tiefgreifende Gefühle vermeidet er und sollte der Partner diese entwickeln geht er auf Distanz und beendet die Beziehung. In den Zukunftsplänen des Liebenden kommt eine feste Beziehung nicht vor.


Jeder der hier aufgeführten Liebesstile ist für eine Person nicht unbedingt ein gelebter „Dauerzustand“, der Liebesstil kann sich im Laufe einer Beziehung ändern, mit einem anderen Liebesstil kombiniert sein, oder in einer neuen Beziehung ein völlig anderer sein.


Die hier vorgestellte Darstellung der Liebesstile basiert auf einer von John Alan Lee entwickelten, vereinfachenden Einordnung zwischenmenschlichen miteinanders, welches den Blick auf grundlegende Liebesstile focussiert, auch wenn es in der Realität tausende unterschiedlich ausgeprägte Liebesstile und Liebesstilkombinationen gibt. Lee hielt sich bewusst mit der (Be)Wertung von Liebesstilen zurück, während andere Wissenschaftler bestimmten Liebesstilen solche Attribute wie „Wahre Liebe“ „Echte Liebe“ oder „Richtige Liebe“ zuwiesen oder auch absprachen..

So gesehen ist der Ansatz von Lee der, der unterschiedliche Liebesformen als gleichwertige Möglichkeiten nebeneinander stellt, ohne dabei eine Wertung der Liebesstile vorzunehmen.

Dieser bewertungs- und verurteilungsfreie Ansatz zu den verschiedenen Liebesstilen ist für uns ein sehr ansprechender, respektvoller Blick auf die gleichberechtigte Unterschiedlichkeit im Liebesleben..

Wozu kann das Wissen um unterschiedliche Liebesstile beitragen?

  • Kennt man seinen eigenen Liebesstil, eröffnet sich einem die Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen, auszuleben und ihm gerecht zu werden.
  • Durch Verständnis um den Liebesstil des Partners fällt es leichter den Partner zu verstehen. Dieses ist besonders hilfreich, wenn in der Partnerschaft unterschiedliche Liebesstile gelebt werden.
  • Man versteht welche Liebesstile einem am meisten zusagen und kann dieses Wissen bei der Suche nach einem passenden Partner nutzen.
  • Das Wissen um die Liebesstile erleichtert es, die Mitmenschen und deren Beweggründe besser zu verstehen.
  • Da jeder Liebesstil sich ganz bestimmten Eigenschaften zuwendet ist damit aber auch ersichtlich welchen Eigenschaften in einer Partnerschaft er sich eben auch nicht zuwendet, welche Eigenschaften geringere Priorität „erleben“.
Zeichen der Liebe