Wie gegenseitige Faszination entsteht

Wie gegenseitige Faszination in der Partnerschaft entsteht.

Wenn Du Dich an Situationen erinnerst in denen Du Dich verliebt hattest, wird Dir oft in Erinnerung geblieben sein, dass der potentielle Partner über Eigenschaften und Fähigkeiten verfügte die Dir besonders attraktiv erschienen.

Meist handelte es sich bei diesen Eigenschaften um Eigenschaften, welche bei einem selber nicht so ausgeprägt vorhanden waren. Da war der Partner kontaktfreudiger oder musikalischer oder systematischer oder spontaner oder realistischer oder durchsetzungsfähiger oder auch emotionaler als man selbst. Und es war ein geradezu befreiendes Gefühl einen Menschen mit diesen Gaben für sich gewinnen zu können.

Schauen wir uns dazu doch einmal die folgenden Grafiken an:

Hierbei steht die rote Linie für die Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen des eines Partners. (je weiter die Linie nach aussen reicht, umso ausgeprägter ist dieses Persönlichkeitsmerkmal bei diesem Partner)

Wenn dieser Mensch auf einen anderen Menschen mit einem anderen Persönlichkeitsprofil – wie beispielsweise diesem hier – trifft,

dann können daraus beglückende gegenseitige Ergänzungen an Handlungsfähigkeiten entstehen.

In der Grafik sind hier die Bereiche, die der „rote“ Partner als Zugewinn für den „blauen“ Partner in eine solche Partnerschaft einbringen kann, gelb unterlegt.

Hier sind die Bereiche gelb dargestellt, die der „blaue“ Partner als Zugewinn für den „roten“ Partner in die Partnerschaft einbringen kann.

Gerade in der Anfangsphase einer Partnerschaft ist der Zugewinn an ergänzenden Fähigkeiten geradezu beflügelnd und berauschend.

Und diese Phase hält manchmal Tage und manchmal auch mehrere Monate an. Dabei ist es (leider) menschlich, sich an positive Eigenschaften zu gewöhnen – diese als „normal“ zu betrachten – womit die besondere Wertschätzung dieser Eigenschaften langsam immer weiter schwindet. Zumindest wenn man sich diesen Gewöhnungseffekt nicht selber bewusst macht.

Bemerkenswert ist, dass viele Persönlichkeitsmerkmale im Widerstreit zueinander stehen: Stärken stehen praktisch immer dazugehörigen Schwächen gegenüber.

Ein Mensch mit ausgeprägtem Einfühlungsvermögen hat aufgrund seiner Wahrnehmungsfähigkeit der „gegnerischen Position“ deutlich größere Schwierigkeiten Maximalforderungen zu stellen und diese dann auch durchzusetzen. Ein Mensch mit weniger ausgeprägtem Einfühlungsvermögen hat es beim Durchsetzen seiner Vorstellungen viel leichter. Nicht weil er den anderen absichtlich überrennt, sondern weil er die Bedürfnisse des Gegenübers erst gar nicht wahrnimmt.

Auch bei „stukturiert vorgehend“ und „flexibel abenteuerlustig“ haben wir es mit Merkmalen zu tun, die im Widerstreit zueinander stehen.
Ein Mensch der abenteuerlustig und flexibel ist (also spontan auf Ereignisse reagieren will und kann) wird gleichzeitig große Schwierigkeiten dabei haben, bei stupiden Arbeiten bei der Sache zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. Ein strukturiert vorgehender Mensch möchte planvoll und systematisch vorgehen (und mag deshalb Ablenkung und Störungen überhaupt nicht).

Ein Mensch der extrovertiert ist, also kontaktfreudig auf Menschen zugeht, zieht aus diesen Kontakten Kraft und Selbstbestätigung. Oft haben diese Menschen aber besondere Schwierigkeiten wenn sie alleine sein müssen. Introvertierte Menschen können dagegen wesentlich besser mit sich alleine zurechtkommen, für sich alleine sein gibt ihnen Energie zurück. Oft ist auch die Bereitschaft sich auf einen bestimmten Menschen intensiv(er) einzulassen ausgeprägter als dieses bei Extrovertierten der Fall ist.

Bei rational handelnden Menschen hat die „emotionale Komponente“ bei Entscheidungen recht wenig Gewicht, Entscheidungen können rational nachvollziehbar sein aber herzlos wirken. Emotionale Menschen werden gefühlsbedingte Aspekte zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen, menschlich wirken, aber möglicherweise wenig rational nachvollziebar handeln.

Viele der genannten Persönlichkeitsmerkmale haben – je nach Situation und Sichtweise – also positive als auch davon untrennbare negative Aspekte in sich vereint.

In einer Partnerschaft können beide Partner von der Persönlichkeit des anderen profitieren wenn beiden diese Zusammenhänge bewusst sind und sie die gesamte Ausprägung der Persönlichkeit des anderen akzeptieren.

Bei gegenseitiger echter Akzeptanz werden sich die Begabungen und Fähigkeiten zum Wohle der Partnerschaft ergänzen und aufaddieren.

Wie gegenseitige Faszination, Achtung, Wertschätzung und damit oft auch die Partnerschaft zerbricht:

Dies ist der Fall, wenn wir uns den (oft auch unbewussten) Bestrebungen hingeben, den Partner ändern oder noch deutlicher: Sich selber angleichen zu wollen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass man dem Partner dadurch zu verstehen gibt „Dass er so nicht in Ordnung ist“, was wäre denn wenn die Änderungsversuche nicht enden?

Die Partner arbeiten sich aneinander ab. Verletzen sich, werten einander ab.

Und das ist dann der Zeitpunkt bei dem sich Partner aus der Partnerschaft lösen, beschädigt in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Einzigartigkeit.

Eine alte hilfreiche Volksweisheit, tausende Male gehört, von vielen für stimmig empfunden, dennoch selten angewendet lautet:

Was Du nicht willst was man Dir tu – das füg auch keinem anderen zu.

Diese eine alte Weisheit hat entscheidenden Einfluss darauf ob Du (und Dein(e) Partner(in) miteinander dauerhaft glücklich werden können. Zumindest wenn Ihr sie dauerhaft anwendet.

Deshalb:

Wenn Du selber so angenommem und geliebt werden willst, wie Du selber bist und eine dauerhafte, wertschätzende und liebevolle Partnerschaft erleben möchtest, wirst Du nicht umhinkommen

diesen, Deinen Partner in seinen gesamten Grundzügen so anzunehmen  wie er ist.

Und Du musst von Dir heraus damit anfangen….

Oder wie sähe eine Alternative aus?

Du wirst Dir einen anderen Partner suchen – der andere Stärken mitbringt (und dessen Stärken natürlicherweise andere Schwächen gegenüberstehen).

Sprich: Das gleiche Spiel, sich der Faszination des anderen hinzugeben und der nachfolgende Versuch den anderen sich angleichen zu wollen, beginnt von neuem….

Es gäbe da aber auch noch eine andere Möglichkeit sich einen Partner auszusuchen. Einen Partner, der einem in seiner Persönlichkeitsstruktur möglichst ähnlich ist.

Wie hier beispielhaft mit grün dargestellt.

Ein solcher Partner erzeugt gerade beim Kennenlernen weniger Begeisterung, feuchte Hände, Herzklopfen, Thrill. Vielleicht dafür aber auch ein stärkeres Gefühl der Vertrautheit.

Es wird dauerhaft weniger interne Reibungspunkte geben, aber es fehlen auch dauerhaft Impulse und Optionen für die Partnerschaft.

Als Vorteil bringt diese beispielhafte Paarkonstellation ein hohes Einfühlungsvermögen, die Bereitschaft sich intensiv auf einander einzulassen, Emotionen auszuleben und auch strukturiert planvoll zu handeln.

Dabei kämen in diesem Falle jedoch rationale Entscheidungen zu kurz, spontane Aktionen fänden selten statt, es beständen Schwierigkeiten sich bei Auseinandersetzungen mit anderen zu behaupten und die Bereitschaft auf andere zuzugehen wäre recht eingeschränkt.

Die Forschung ist sich recht sicher dass viele Grundzüge der Persönlichkeit bereits in einem hohen Maße genetisch vorbestimmt sind. Die Erziehung, das von den Eltern vorgelebte Beziehungsmuster und der Austausch mit anderen Menschen in jungen Jahren hat prägenden Einfluss auf die sich immer weiter ausbildende Persönlichkeit. Einer Persönlichkeit, deren Ausrichtung immer klarer und eindeutiger gefestigt wird.

Das bedeutet aber auch: Du wirst an der gefestigten Persönlichkeit des Anderen nichts wirklich grundlegendes mehr ändern können.

Was wirklich in einer funktionierenden Partnerschaft zählt, ist neben der klaren Wertschätzung des Partners deshalb auch die liebevolle Gelassenheit im Umgang mit den stets vorhandenen, nicht vermeidbaren Schwächen Deines Partners.