Aktives Zuhören

Aktives Zuhören

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Diese Redewendung ist wohl jedem bekannt, doch wird auch dessen Bedeutung in der Konversation immer richtig verstanden? Gute Gespräche erkennt man daran, dass man sich verstanden fühlt, ernst genommen wird mit dem was man auszudrücken versucht und Interesse für das Gesagte erhält.

Daraus wird klar, dass ein Gespräch nicht nur daraus besteht, dass man miteinander redet, sondern dass man aufeinander hört. Aufmerksam hinhört was der andere einem zu sagen hat und die Botschaften daraus entschlüsselt.

Doch all zu oft kommt es in Gesprächen zwischen zwei oder mehreren Menschen vor, dass sie eifrig dabei sind zu erzählen und sobald ein anderer eine Atempause zur Unterbrechung des Redeflusses nutzt, um auch einmal zu Wort zu kommen, ist der andere gedanklich wieder bei dem was er noch zu sagen hat. Hier wird deutlich, dass nicht miteinander geredet wird, sondern Monologe geführt werden, bei denen im besten Falle noch vorgetäuscht wird, man würde sich für den anderen interessieren.

Richtig Zuhören

Zwischen Hören, Hinhören und Zuhören gibt es gewaltige Unterschiede.

Hören bedeutet das man zwar mehr oder weniger hinhört was der Gesprächspartner zu sagen hat, aber gedanklich bei sich selbst oder anderen Dingen ist und darauf wartet, dass man selbst wieder sprechen kann. Hier ist die Aufmerksamkeit eher auf die eigene Person, bzw. Gedanken gerichtet.

Hinhören bedeutet auch Aufnehmen was gesagt wird, ohne jedoch daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen, welche Botschaften mit dem Gesagten gesendet werden. Man ist emotional eher unbeteiligt, obwohl der Redende glaubt, dass man ihm tatsächlich ernsthaft zuhört.

Zuhören bedeutet, sich in den Gesprächspartner hineinzuversetzen. Die Gefühle wahrzunehmen, die mit dem Gesagten verdeutlicht werden sollen. Dabei schenkt man dem Redenden die volle Aufmerksamkeit und verdeutlicht dies auch (bewusst oder unbewusst) durch Körperhaltung und Reaktionen. Der Redende erhält das Gefühl, dass ihm ernsthaftes Interesse entgegengebracht wird und im Moment nichts Wichtiger ist.

Ein gutes Gespräch zu führen heißt also, besonders gut zuhören zu können und sich während der Andere redet passiv zu verhalten.

Aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist eine Methode, die von Psychotherapeuten entwickelt wurde. Sie wird besonders in der Gesprächstherapie angewendet und kann in Schulungen von jedermann erlernt werden. Besonders Menschen, für die Kommunikation im Beruf sehr wichtig ist, lassen sich darin schulen und bestätigen, dass richtiges Zuhören, aber auch die Fähigkeit klar und verständlich zu formulieren, grundlegende Eigenschaften für ein gutes Gespräch sind.

Was bedeutet aktives Zuhören?

Aktives Zuhören bedeutet in erster Linie, aufmerksames Zuhören ohne das Gesagte zu beurteilen. Aufmerksamkeit und die Bemühung das Gesagte zu verstehen und Anteilnahme. Beim aktiven Zuhören unterteilt man in vier Stufen.

Wahrnehmen

Verstehen

Werten

Reagieren

Wahrgenommen wird in der Regel selektiv, da der Mensch Informationsfluten gar nicht verarbeiten könnte. Beim Verstehen wird das Gesagte gehört, aufgefasst und begriffen. Hierbei kommt es nicht selten zu Missverständnissen, da Menschen unterschiedliche Auffassungen von Begriffen haben. Bewerten bedeutet in diesem Fall nicht, zu kritisieren oder Urteile zu fällen, sondern Feedback in Form einer Reaktion zu geben. Das kann ein Kopfnicken sein, Blickkontakt oder aber auch das Nachfragen, wenn etwas unklar ist. Hilfreich ist dabei, Gehörtes kurz zusammenzufassen und nachzufragen, ob man richtig verstanden hat. Das zeigt dem Gegenüber, dass aufmerksam zugehört wurde und ermutigt ihn weiter zu reden.

Letztes nennt man auch Paraphrasieren – die Wiederholung einer Aussage mit eigenen Worten. Wichtig ist jedoch auch, dass man die Emotionen des Redenden verbalisiert. In einer Aussage wie: „Er hat mich wieder nicht angerufen“, steckt eine verschlüsselte Botschaft, nämlich die, dass sie sich sehr darüber geärgert hat. Die Reaktion darauf könnte demnach sein: „Das hat dich sicherlich sehr verärgert.“ Oder in der Aussage „ich habe jemanden kennengelernt und ich konnte mich prima mit ihr unterhalten“, steckt die Botschaft, dass es ihm sehr angenehm war und er sich wohlfühlte. An dieser Stelle kann man auch nachfragen, wenn einem nicht klar ist, welche Botschaft mit dem Gesagten gesendet wurde.

Das Zusammenfassen des Gesagten kann helfen zu verstehen und dem Gesprächspartner zu zeigen, dass ihm aufmerksam zugehört wurde. Missverständnisse können so leicht ausgeräumt werden. Das Weiterführen, indem man nachfragt was danach geschehen ist, kann es dem Anderen leichter machen weiter zu reden. Abwägen „Was war schlimmer? Dieses oder Jenes?“ kann Gesprächen eine konstruktive Wendung geben.

Ein guter Gesprächspartner sein

Gut zuhören können ist keine Kunst oder angeboren, sondern eine Sache der Aufmerksamkeit und des echten Interesses an seinen Gesprächspartner und das was er einen mitteilen möchte. Empathie und Zurückhaltung mit Urteilen sind ebenfalls wichtige Kriterien für ein gutes Gespräch.

Männer und Frauen

Etliche Bücher berichten über das ungleiche Kommunikationsverhalten von Mann und Frau. Doch auch wenn es Unterschiede bei den Bedürfnissen in der Kommunikation bei Männern und Frauen gibt, so ist die Technik des aktiven Zuhörens für beide Geschlechter gleichbedeutend. Denn es geht um Anteilnahme und Interesse und das Zurückstellen der eigenen Person und Aussagen. Wer sich selbst wichtiger nimmt, wird trotz der Technik des aktiven Zuhörens immer noch kein guter Zuhörer sein.